Pferde – Fákur fra Enni

Isländer, Wallach, Schecke, geb. 1988

Sabine Pirker erzählt:

Die Geschichte von Fákur hat mich gelehrt, dass man ein Lebewesen nicht wirklich besitzen kann. Fákur ist das Pferd von meiner Freundin Sigrid.

Bevor ich nach Sandkrug zog, haben wir zusammen auf einem Hof gewohnt – und unsere Pferde auch.
Baldur und Fákur waren dicke Freunde. Vom Küchenfenster aus konnten wir ihnen zusehen wie sie stundenlang miteinander tobten, gemeinsam ihren Kopf in den Wasserkübel steckten und tranken und dann gleich weiter tobten. Dann wieder standen sie Seite an Seite in der Sonne und dösten.

Sigrid, Fákur, Baldur und ich haben so manchen Wanderritt-Kilometer hinter uns gebracht. Dann trennten sich unsere Wege. Baldur und ich zogen mit dem Rest der Herde nach Sandkrug. Sigrid und Fákur zogen nach Dorfmark.

Bald wurde Fákur krank. Zuerst waren es mehrere Infekte, dann kamen Atemprobleme, die Leber funktionierte nicht mehr richtig, die Nieren auch nicht… Sigrid gab Unsummen für Tierärzte aus. Aber gesund wurde Fákur nicht. In ihrer Not wandte Sigrid sich an einen Heiler. Der erkundigte sich nach der Lebensgeschichte von Fákur und fragte: „Kann es sein, dass er seinen Freund Baldur vermisst? – Und seine alte Herde?“

Also kam Sigrid mit Fákur nach Sandkrug. Die beiden machten ein paar Wochen Urlaub hier. Fákur kam in seine alte Herde. Er und Baldur waren unzertrennlich. Am Ende des Urlaubs schien Fákur gesund.
Schweren Herzens entschloss Sigrid sich, ihr Pferd hier zu lassen und fuhr die 150 km ohne ihren Fákur nach Hause.

Nach einem halben Jahr war Fákurs Zustand stabil und Sigrid beschloss, ihn zurück zu holen. Es dauerte keine 2 Wochen, da rief sie weinend an. Es gehe Fákur ganz schlecht. Der Tierarzt sei nicht bereit, ihm irgendwelche Medikamente zu geben, denn sie wisse ja, was dem Tier helfen würde.

Am nächsten Tag rollte Sigrid mit ihrem Pferdehänger auf den Hof. Fákur stand drinnen wie ein armer Tropf.
Doch kaum hatte er den Hänger verlassen, hob er den Kopf, atmete ganz tief durch und stiefelte zielstrebig mit Sigrid am Strick Richtung Baldurs Auslauf.

Baldur kam ihm entgegen. Die beiden steckten die Nasen zusammen, brummelten, begannen sich zu beknabbern, zu stupsen und spielten los. Sie nahmen nichts um sich herum wahr – nicht die Mädchen, die gerade den Auslauf säuberten, nicht die anderen Pferde, die sich neugierig näherten, nicht uns, die dem Schauspiel gerührt zusahen. Zwei ganze Stunden tobten sie miteinander, gingen gemeinsam zum Wasserkübel und tobten weiter.

Tja, seither lebt Fákur bei uns und arbeitet als Therapie- und Lehrpferd. Wenn Sigrid ihn anfangs besuchen kam, ist er immer weggegangen und hat sich versteckt. Es schien, als habe er Sorge, dass sie ihn wieder mitnimmt. Das hat Sigrid damals ganz schön wehgetan.

Inzwischen hat Fákur aber verstanden, dass hier sein Zuhause ist und er freut sich wenn er Sigrid sieht genauso wie über die Menschen, die ihn zum Reiten holen.

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